Gedanken zum Pfingstfest

15.05.2021

Gedanken zum Pfingstfest

Diözesanpräses Martin Göke: Wirklich ein Fest der Freude?


Gedanken zum Pfingstfest


Liebe Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder,

Pfingsten ist der Geburtstag der Kirche. Kann man gratulieren oder wäre ein „herzliches Beileid“ nicht vielleicht passender.

Wer mit Nüchternheit auf die Situation der Kirche in Deutschland blickt, bei dem kommt nicht gerade Feierstimmung auf. Die Kirchenaustrittszahlen steigen von Jahr zu Jahr, während die Zahl der Kirchenbesucher sinkt. Auch jetzt in der Coronazeit fehlt der Kirche oft Feingefühl. Gottesdienste werden willkürlich abgesetzt, auch wenn Gläubige den Wunsch haben. Sie können teilweise durch das mangelnde Angebot den Gottesdienst nicht besuchen.

Die Diskussionen über den Zustand nehmen kein Ende:

Denken wir nur an den Missbrauchsskandal, der immer neue Nahrung bekommt. Oder denken wir an die Diskussionen um den Zölibat, über die Segnung von homosexuellen Paaren oder an der Einstellung zu Frauen. Warum dürfen Frauen z.B. nicht predigen?

Wir fragen uns, wie wird es weitergehen. Wie sieht es aus, wenn die Coronazeit einmal vorbei ist.

Ich glaube, die Besucherzahl nimmt weiter ab. Wie sieht es aus, mit den Jüngeren? Haben sie sich schon von der Kirche entfernt? Ja, spielt Kirche überhaupt noch eine Rolle im Leben der Menschen?

Die Kirche möchte sich nicht vom Heiligen Geist verunsichern lassen. Sie möchte ihn in sichere Bahnen lenken. Aber das geht nicht. Gibt es noch Hoffnung?

Paulus macht in seinem Brief an die Römer Hoffnung. Er zeigt auf, dass es darum geht, auf etwas zu hoffen, was wir nicht sehen, auf jemanden zu vertrauen, der weitaus größer ist als unser Realismus. Es geht darum, auf den Heiligen Geist zu vertrauen: Auch wenn wir von der Kirche enttäuscht werden, wir dürfen darauf vertrauen, dass der Heilige Geist bei uns ist.

Mit Pfingsten bricht eine neue Zeit an, will auch heute anbrechen: Aus Frust wird Lust, aus Trauer Freude, aus Lethargie Begeisterung. Das feiern wir an Pfingsten. Damals haben die Jünger einen neuen Impuls für ihr Leben bekommen.

Auch heute sind Impuls wünschenswert, für uns und für die ganze Kirche:

1. Übernimm Verantwortung für das, was du sagst und fühlst, ohne andere zu beschuldigen!

2. Wenn du etwas als für dich richtig erkannt hast, setze dich dafür ein – auch gegen Widerstände.

3. Höre zu, wenn du mit anderen sprichst!

4. Nimm dir Zeit, deine Gefühle und das Gehörte zu reflektieren, bevor du handelst.

5. Sei einfühlsam im Umgang mit den Mitmenschen und überprüfe deine Auffassungen – gerade jetzt auch im  Umgang mit Corona.

6. Wahre Vertraulichkeit, baue Vertrauen auf.

7. Nutze die Vielfalt der Meinungen, denn es geht nicht darum zu ermitteln, welche falsch oder richtig ist!

8. Erkenne, dass dein Glaube mit der Meinung der Kirche nicht übereinstimmen muss.

Diese Regeln setzen Offenheit voraus, dem anderen vorurteilsfrei zuhören zu wollen. Sie sind fordernd:Sie fordern Zeit und Kraft, aber auch die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen. Sie verlangen, sich ganz auf das Du einzulassen. Kommunikation gelingt nur auf Augenhöhe mit dem anderen.

Als Christen sind wir dazu berufen, Gottes Geist zu vertrauen, geduldig zu sein, ihn in uns und für uns wirken zu lassen, offen zu sein für das, was Gott in unseren Herzen, in unserem Leben, in unserer Kirche wirken möchte.

Gottes Geburtstagsgeschenk an uns, an seine Kirche, ist sein Heiliger Geist. Gott selbst will in uns und durch uns die Christenheit erneuern.

Er führt und leitet uns durch seinen Geist.

Hab keine Angst! Der Geist tritt für dich ein! 


Ein gesegnetes und gnadenreiches Pfingstfest wünscht euch

Euer Diözesanpräses Martin Göke

Bleibt gesund!

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